Sanierung und Freilegung eines Bungalows aus den 60er Jahren, Viersen

Der Bungalow in Hanglage zu den Süchtelner Höhen, am Rande der Viersener Innenstadt, besticht durch seine klare Gliederung der Raumabfolgen, einer mit dem Tragwerk und dem direkten Umfeld verbundenen Lichtführung und der gezielt eingesetzten Verwendung verglaster und geschlossener Flächen.

Es galt, diese Qualitäten aus den über die Jahre überdeckten und durch die Kompromisse jahrzehntelanger Nutzungen entstandenen Schichten herauszuarbeiten und in die Bedürfnisse und Ideen der neuen Besitzerin zu transluzieren. Der Bungalow wurde einschl. den von der Bauherrin geplanten Aussenanlagen im Juli 2026 fertiggestellt.

Auf eine wesentliche Veränderung oder Vergrößerung des Bauvolumen wurde verzichtet, im Vordergrund stand der Erhalt der klaren U-förmigen Hülle des Gebäudes, die ausschließlich durch einen schmalen Fensterschlitz Richtung Garten unterbrochen wird.

Die intensive Spurensuche der Bauherrin im Bestand hat zu außerordentlichen Details im Gebäude geführt. So werden Wandablagerung ehemaliger Schränke zu Wandbildern, nicht sichtbare Stahlstützen zu Raum gliedernden Elementen und unter Abhangdecken versteckte Betondecken zu Deckensegeln beim Betreten des Hauses.

Neue Materialien, wie die salbeifarbenen Fassadentafeln, die Cortenstahlabfangungen an der Straßenseite, die neuen Glasfassaden, die im Gegensatz zum Bestand bis zum Boden führen, arbeiten das originäre Konzept des Ursprungsentwurfs aus den 60er Jahren überzeugender heraus, als der Architekt es damals mit seinen Bauherrn umzusetzen vermochte. So geht der sanierte Altbau eine Symbiose des Bestehenden mit dem Neuen ein, vom Konzept über die Materialwahl bis in die wohlüberlegte Ausstattung der Räume. Dies wäre ohne die selbstbewusste und innovative wie auch intensive Begleitung der Bauherrin so nicht umsetzbar gewesen.

Bauherrin: Michaela Kaas

Projektleitung: Birgit Dewey

Fotos: Thomas Dewey, Grafiker

Der Bungalow zeigt sich zur Straße geschlossen, eingebettet in einen alten Baumbestand, der sich nach hinten zu einem kleinen, privaten, innerstädtischen Waldgrundstück ausbreitet. Der solitäre Kieferbaum, dessen Wurzelwerk die Rampenabfahrt verformt, sollte zu Beginn gefällt werden, wurde dann aber erhalten, der Randbewuchs entfernt. So übernimmt er nun eine prägende Vertikale vor dem Gebäude. Trotz seiner Großzügigkeit wirkt der Bungalow zur Straße eher wie ein integrativer Teil des Waldstücks, unterstützt durch den Farbton der Fassadentafeln, die ähnlich dem Blattwerk der Bäume, je nach Tageszeit und Lichteinfall ihren Farbton verändern.

Der Bungalow 2024 vor seiner Sanierung und dem Umbau